Abenteuer und Kulturreise Äthiopien; der Norden und der Süden


30.11.2025 - 13.12.2025



Das Kulturland Äthiopien zieht mich immer wieder an, auch wegen meinem lieben Freund Getnet Mulugeta, der dort eine Reiseagentur betreibt. Diesmal geht es in den Norden, wo wir auch Lalibela und die Simien Mountains sehen werden und dann geht es diesmal in den Süden, wo wir Ethnische Gruppen treffen werden, unter anderem auch die Tellerlippenfrauen. Viel Spaß beim Lesen!

1. Tag - Sonntag 30.11.2025

Am späten Nachmittag am Samstag den 29.11.25 geht es mit dem Zug von Schörfling nach Wien Flughafen. Unterwegs steigt Hubert, ein Reiseteilnehmer der Gruppe zu. Das Einchecken für den Flug mit Ethiopian Airlines geht rasch und wir fliegen sogar früher weg. Wir, das sind insgesamt sechs Freunde.

Wir kommen überpünktlich in Addis Abeba an. Mit Schlafen war nicht viel und dementsprechend erledigt bin ich am Morgen. Leider kommt das Gepäck von Klaus und Christa nicht. Wir müssen warten. Auch Traude und Theo haben ein Problem, der Feldstecher darf nicht einreisen und wird beim Zoll abgenommen. So verzögert sich unsere Einreise ein wenig. Umso größer ist die Freude, als ich meinen lieben Freund Getnet wieder treffe. Er bringt jedem Reiseteilnehmer Rosen, denn „Addis Abeba“ heißt, neue Rose oder so. Nun fahren wir in unser Hotel, um die Zimmer zu beziehen und um uns kurz frisch zu machen, denn wir müssen dringend zur Kirche beim Nationalmuseum, denn da ist heute eine Marien Prozession. Die ganze Stadt ist in Aufruhr, Menschenmassen überall! Die Frauen und Mädchen haben weiße Überwürfe an, alle strömen zur Kirche. Getnet schafft es durch einen geschickten Trick die Gruppe direkt neben die Prozession zu bringen. Die Bundeslade wird bei diesem Marienfeiertag in einer Prozession herumgetragen. Die Priester haben ihre großen, bunten Sonnenschirme zum Schutz vor der Sonne. Ich schaue dem Treiben eine Weile zu und setze mich dann ab und treffe die Freunde wieder vor dem Nationalmuseum. Nach einiger Zeit kommen die Reiseteilnehmer dann auch mit Getnet an der Spitze. Wir besichtigen das Nationalmuseum, in dem Lucy aufbewahrt ist. "Lucy" ist der berühmte Spitzname für das fast 3,2 Millionen Jahre alte Fossil eines Vormenschenskeletts der Art Australopithecus afarensis. Hier im Museum liegt eine Replika des Skelettes. Aber nicht nur Lucy auch andere Menschenfunde aus der Zeit sind hier ausgestellt, wenn auch nicht im Original. Getnet erzählt und auch über den Großen Grabenbruch und über die einzelnen Regionen des Landes. Nach der Besichtigung des Museums fahren wir in das Haus in dem Getnet lebt. Hier wartet die gesamte Familie auf uns und hat für uns Essen vorbereitet. Getnet hat zwei Kinder; Feven die schon knapp vier Jahre ist und Betanya, die eben erst getauft wurde und wenige Monate alt ist. Ich habe Geschenke mitgenommen, die mir eine ältere Dame aus Österreich mitgegeben hat, die Getnet von einer Reise kennt. Feven freut sich über die Geschenke sehr. Zum Essen gibt es Injera, Fladen aus Sauerteig mit bestimmten Fleischbelägen. Das Ganze isst man mit den Fingern. Nach dem Essen fahren wir auf den Aussichtsberg Entoto, der bis auf 3.200 Meter hinaufgeht. Addis Abeba liegt als dritthöchstgelegene Hauptstadt auch auf 2.355 Meter. Dann geht es zurück ins Hotel. Wir brauchen Zeit zum Relaxen und gehen dann am Abend noch gemeinsam Abendessen ins „London Café“. An der Hotelbar gibt es noch einen „Absacker“ dann sacken wir ab, wir sind wirklich müde!

2. Tag - Montag 01.12.2025

Wir müssen früh raus, denn unser Flugzeug geht um 07.30 von Addis Abeba nach Bahir Dar. Noch schnell ein kurzes Frühstück und dann geht es zum Flughafen. Zwei Mal Sicherheitskontrolle, bis wir endlich zum Abflug fertig sind. Der Flug mit einder Dash Turboprob dauert nur rund eine Stunde. Der Flughafen von Bahir Dar wird gerade neu gebaut, der alte Flughafen, wo wir anlanden, ist wirklich schon abbruchreif. Auch der Krieg hat dem Flughafen zugesetzt. Judu heißt unser neuer Fahrer, der uns die nächsten Tage durch die Gegend chauffiert. Das Programm ist heute sehr gedrängt. Wir fahren zum Hotel, geben das Gepäck ab und dann geht es schon über eine staubige Schotterstraße zu unserem Ersten Ziel dem Wasserfall vom Nil. Links und rechts der Straße erlebt man das afrikanische Leben. Kinder spielen, der Tierarzt versorgt die Rinder, eine Nähmaschine ist zu sehen und kleine Läden gibt es zuhauf. Das alles ist eine Staubwolke eingehüllt, die die Fahrzeuge der Straße produziert. Endlich erreichen wir unser Ziel. Hier haben wir einen lokalen Guide. Getnet versucht immer auch lokale Guides einzubauen, denn es sollten ja alle was vom Tourismus haben. Nun marschieren wir rund eine Stunde über ein landwirtschaftliches Gebiet. Rinder weiden, Bauern dreschen die Hirse und mit kleinen Sicheln mähen sie das Gras. Ein Bild wie aus dem Mittelalter. Der Wasserfall ist dann nicht so spektakulär, denn vor dem Wasserfall befindet sich ein Kraftwerk und zudem wurde das meiste Wasser umgeleitet. Wir gehen den gleichen Weg zurück und fahren dann auch wieder die staubige Straße nach Bahir Dar. In einem kleinen Restaurant direkt am Tanasee. Es gibt Fisch und „Dashen Bier“. Pelikane schwimmen im Wasser und warten auf Fischabfälle von den Fischern die neben dem Restaurant die Fische putzen. Nach dem Essen geht es mit einem Metallkahn hinaus auf den Tana See zur Insel Tek Island. Hier befindet sich das Kloster Estefanons mit wunderschönen Ikonen. Es diente auch als Grabmal verschiedener Herrscher. Der Weg zum und vom Kloster ist von Läden gesäumt, die hier unbedingt auch was verkaufen wollen. Es ist ein Spießrutenlauf. Einige kaufen was, dann fahren wir zurück und beziehen das „Lake Avenue Hotel“. Zum Abendessen sitzen wir auf der Terrasse des Hotels, der Tag war lang!

3. Tag - Dienstag 02.12.2025

Früh morgens verlassen wir unser Hotel und fahren Richtung Gondar. Die Straße ist stellenweise so schlecht, dass man im Schritttempo durch die Schlaglöcher fahren muss. Der Verkehr ist extrem. Durch die Unruhen in der Amahara  Region ist auch viel Militär unterwegs. Auf Pickups sind Maschinengewehre montiert. Laut Getnet, ist das harmlos und wir haben nichts zu befürchten. Wir treffen auch einige Male auf die Rebellen, die auch bewaffnet sind und gegen die Regierung kämpfen. Wir fahren über weites Ackerland und sehen riesige Reisfelder. Die Felder sind sehr fruchtbar, es wird mehrfach im Jahr geerntet. Nach der weiten Ebene kommen wir in gebirgigeres Land. Von weitem sieht man eine Felsnadel die „Gottesfinger“ genannt wird. Wir machen eine kurze Pause und setzen dann unsere Fahrt fort. Unser Fahrer fährt wirklich extrem gut. Er muss ständig die teilweise im Schritttempo fahrenden LKW’s überholen, auch teilweise bei Gegenverkehr. Die Rücksichtnahme der Fahrer ist beeindruckend. Leider kommen wir auch zu einem Verkehrsunfall, der unmittelbar vor unserem Eintreffen passiert sein muss. Drei Personen sind sofort tot, der LKW-Fahrer ist eingeklemmt, lebt aber noch. Getnet springt sofort aus und versucht zu helfen. Nachdem aber nichts mehr zu machen ist und ja jede Menge anderer Leute hier sind, setzen wir die Fahrt fort und erreichen am frühen Nachmittag Gondar. In einem typischen Restaurant kehren wir zum Mittagessen ein. Nach dem Essen besuchen wir das Schloss von Falilidas. Die Anlage wird mit Hilfe der Franzosen gerade generalsaniert. Nach einem Rundgang besuchen wir die auf einem Hügel gelegene Kirche Debre Berehan Selassie. Diese Kirche wirkt sehr verfallen, aber auch hier gibt es schöne Ikonen im Inneren. Nach der Besichtigung fahren wir in das Goha Hotel und beziehen unsere Zimmer. Das Hotel liegt auf einem Hügel mit traumhaftem Blick über die Stadt. Es ist schon ein wenig in die Jahre gekommen, aber der Ausblick macht es wieder wett. Wir essen im Restaurant mit Ausblick auf die Stadt. Kulinarisch kann ICH heute keine Punkte vergeben.

4. Tag - Mittwoch 03.12.2025

Wieder mal bald aus die Federn gehüpft. Heute soll es zu den Simion Mountains gehen. Noch kurz ein Blick von der Terrasse hinunter auf die Stadt zum Sonnenaufgang. Fast wie bei einer muslimischen Stadt tönt der orthodoxe Priester anstatt des Muhedins herauf. Die Fahrt führt ständig bergan, von zirka 1.800 auf 3.200 Meter geht es hoch. Links und rechts der Straße das übliche Bild einer dicht besiedelten Landschaft. Häuser aus horizontal gesteckten Eukalyptusstämmen, die mit Blech abgedeckt sind. Als Zäune dient ebenfalls das unansehnliche Wellblech. Die Straße ist zwar großteils asphaltiert, aber alle Kilometer ist wieder eine Bodenwelle oder eine Ablösung des Belages, sodass unser Fahrer abbremsen muss. In den größeren Ortschaften stehen Rohbauten, deren Fertigstellung wahrscheinlich nicht in absehbarer Zeit stattfinden wird. Nun kommen wir zum Hauptort Debark von wo aus die Treckingtouren für den Simion Nationalpark starten. Wir müssen uns registrieren und bekommen zwei bewaffnete Guides mit. Die Waffen sind nicht wegen des Bürgerkrieges, sondern wegen der Möglichkeit auf Raubtiere zu treffen. Die Straße ändert sich nun in eine reine Schotterstraße. Wir schlängeln uns hinauf zum höchsten Punkt, an dem auch die Simion Lodge steht. Von hier aus marschieren wir einen Pfad an die Bergkante, von wo aus man einen traumhaften Blick über die Simion Mountains hat. Weiter geht es mit einigen Fotostopps zu den Blutbrustpavianen. Diese friedlichen Tiere sitzen im Gras und graben nach Wurzeln, die sie fressen. Wir gesellen uns dazu und genießen die Atmosphäre mit den Pavianen. Leider geht es einer unserer Gruppe nicht so gut und so kürzen wir ein wenig ab und fahren zurück. Leider verschlechtert sich der Zustand unserer Freundin und wir müssen anhalten. Die Höhe und wahrscheinlich das Essen gestern haben ihren Tribut gefordert, aber nach einiger Zeit können wir los und es geht wieder so einigermaßen. Wir machen einen weiteren Halt in Debark zum Mittagessen und fahren anschließend zurück in unser Hotel in Gonder. Am Weg treffen wir immer wieder bewaffnete Soldaten und Rebellen, aber von kriegerischen Handlungen ist nichts zu merken. Dennoch macht es ein wenig traurig, dass sich die Völker untereinander nicht verstehen, zumal man wirklich den Eindruck einer Harmonie und Zuvorkommenheit der Bevölkerung hat. Zum Abendessen sind wir im Hotel.

5. Tag - Donnerstag 04.12.2025

Wir können noch gemütlich in unserem Frühstück frühstücken. Dann fahren wir um 09.00 Uhr los Richtung Gondar Flughafen. Gondar ist ein kleiner Flughafen. Wir müssen wieder zwei mal durch die Sicherheitskontrolle bevor wir eingecheckt sind. Unser Flieger startet pünktlich nach Lalibela. Auch diesmal fliegen wir mit einer Dash 8 von Ethiopian Airlines. Auch Lalibela ist ein ganz kleiner Flughafen. Nachdem wir unser Gepäck in Empfang genommen haben, fahren wir in unser Hotel das Tukul heißt. Das Hotel sind kleine Rundbauten mit Zimmer im ersten Stock und im Erdgeschoß. Hier bekommen wir auch ein Mittagessen. Am Nachmittag starten wir dann mit unserem Highlight „Felsenkirchen von Lalibela“. Es gibt elf Felsenkirchen, die so um das Jahr 1250 aus dem Felsen herausgeschlagen wurden. Kaiser Lalibela wollte im 12. Jhd. ein „Neu Jerusalem“ errichten, nachdem Moslems die Pilgerfahrten ins Heilige Land zum Erliegen gebracht haben. Wir besichtigen heute vier der elf Kirchen. Es ist beeindruckend, wenn man sieht, wie die aus Schieferstein diese Kunstwerke herausgeschlagen haben. Mühsam ist, dass man sich immer die Schuhe ausziehen muss, aber das ist halt mal so!
Es gibt zwei Hauptgruppen von Kirchen. Sie nennen hier einen Graben Jordan-Fluss. Nordlich des Grabends gibt es: Biete Medhani Alem („Haus des Welterlösers“), Biete Mariam („Haus der Maria“), Biete Maskal („Haus des Kreuzes“), Biete Denagel („Haus der Jungfrauen“), Biete Golgotha Mikael („Haus des Golgota Mikael“). Südlich des Grabens: Biete Amanuel („Haus des Emmanuel“), Biete Qeddus Mercoreus („Haus des Heiligen Mercoreos“), Biete Abba Libanos („Haus des Abtes Libanos“), Biete Gabriel Raphael („Haus des Gabriel Raphael“) und Biete Lehem („Haus des Heiligen Brotes“). Die elfte Kirche, Biete Ghiorgis („Haus des Heiligen Georg“). Sie ist sicherlich die bekannteste Kirche von Lalibela, weil Sie von oben, wie ein Kreuz ausschaut. Sie ist aus einem System mit Gräben mit den anderen verbunden.
Ich schaue mir nicht jede Kirche von innen an, weil ich ja schon zweimal da war. Am Ende unserer Besichtigung fahren wir in unser Hotel zurück. Vor dem Abendessen kehren wir noch in eine kleine Kneipe mit moderner Musik ein. Wir essen im Hotel und gehen zeitig zu Bett.

6. Tag - Freitag 05.12.2025

Heute setzen wir unsere Besichtigungstour der 11 Kirchen fort. Nach dem Frühstück bringt uns unser Fahrer zum Aufgang der zu den Kirchen führt. Wieder heißt es Schuhe ausziehen. Eine Besonderheit heute ist der Gang „durch die Hölle“. Das ist ein in etwa 100 Meter langer Tunnel, in dem es total finster ist. Man soll keine Taschenlampe verwenden, um das Gefühl der Dunkelheit bzw. der Hölle zu erfahren. Die Orthodoxe Kirche arbeitet viel mit Metaphern und da gehört natürlich die Hölle dazu. Die gläubigen Äthiopier fürchten die Hölle, ich hingegen habe damit kein Problem, außer meine Platzangst, die ich aber im Griff habe. Am Ende unserer Tour gehen wir in das Kana Restaurant, mit tollem Blick über das Tal. Hier essen wir wirklich gut a la carte. Nach dem Essen gibt es noch ein Highlight. Wir besuchen eine Kaffee Zeremonie in einem eigenen Lokal für traditionellen äthiopischen Kaffee. Eine sehr hübsche Dame röstet die Kaffeebohnen, dann mahlt sie den in einem Mörser. Das Wasserkochen und den Röstvorgang macht sie auf einem Holzkohlenofen. Immer wieder gibt sie eine Kohle in den Weihrauchofen. Der Weihrauch erfüllt den Raum und mischt sich mit dem Kaffeegeruch. Es gibt auch einen einheimischen Schnaps aus Hafer und Hopfen und Met, den Honigwein. Der Kaffee schmeckt wirklich hervorragend, aber auch die gesamte Atmosphäre ist fantastisch. Nach einer Ruhepause besuchen wir noch die Bar von gestern und Bummeln noch ein wenig. Zum Abendessen sind wir wieder in unserem Hotel. 

7. Tag - Samstag 06.12.2025

Früh morgens, noch vor dem Frühstück geht es mit den Tuk Tuk zur Kirche, denn heute ist ein kirchlicher Feiertag und wir wollen die Zeremonien und die Atmosphäre mitbekomme. Von überall strömen sie mit ihren weißen Überhängen zur Kirche. Die Orthodoxen Priester haben die ganze nach über Lautsprecher ihre Botschaften verkündet, so dass man das bis in mein Zimmer gehört hat. Nun stehen die Priester unter einem großen bunten „Gebetsschirm“ und beten mit den Gläubigen. Nach einer Weile geht es zurück ins Hotel. Hier gibt es Frühstück und wir haben noch Zeit zum Relaxen. Unser Flug ist um eine Stunde nach hinten verschoben, daher fahren wir erst um 11.30 Uhr los. Der Flughafen von Lalibela ist ja nicht weit weg. Das Einchecken mit zweimal Schuhe ausziehen und zweimal Sicherheitsschleuse regt uns nicht mehr auf. Der Flug dauert gut eine Stunde. In Addis Abeba angekommen werden wir schon von unserem Fahrer begrüßt, der uns ja am Ankunftstag schon begrüßt hat. Nun beginnt eine lange Fahrt zum Langano See. Links und rechts der Straße das reinste Panoptikum. Menschenmassen drängen sich zwischen Esel, und kleinen Geschäftsständen. Kinder spielen zwischen den fahrenden Autos und Tuk Tuk. Esel stehen auf der Straße. Man versteht immer mehr, woher die 130 Mio. Menschen kommen! Wir fahren auch an einer modernen Industrieanlage vorbei, bei der künftig tausende Arbeit finden sollen. Die erste Strecke führt über eine Autobahn, dann geht es wieder in gewohnter Weise auf Rumpelpisten weiter. Endlich erreichen wir um zirka 18.00 Uhr unser Hotel Marina am Langano See. Das Hotel ist total modern im Stil, aber auch hier keine Gäste! Der Ausblick auf den See ist ein Traum. Wir beobachten noch den Vollmond wie er aufgeht und gehen dann rasch zu Bett, denn morgen müssen wir früh raus.

8. Tag - Sonntag 07.12.2025

Wieder müssen wir früh aufstehen, denn wir haben heute eine weitere lange Strecke zu fahren. Wir fahren vom Langano See nach Arba Minch. In Soddo machen wir eine Mittagspause. Bei einem Bauernhaus macht Getnet einen Stopp. Wir wollen hier sehen, wie die Einheimischen Bauern wirklich leben. Der Stopp war spontan und nicht geplant. Wir bleiben am Straßenrand stehen. Sofort sind wir von Kindern umringt. Getnet fragt, ob wir die Familie besuchen dürfen. In dem runden Gebäude mit einem Durchmesser von vielleicht 6 Meter lebt die Familie. Gerade bereitet die Dame des Hauses Kaffee am offenen Feuer zu. Der Rauch steigt durch das Dach ins Freie auf. Man sitzt am Boden, es gibt kaum Einrichtung. Geschlafen wird in Betten am Boden. Rund um das Haus sind Bananenstauden. Eine Kuh steht im Garten, Ziegen laufen herum. Dazwischen die freundlichen und immer lächelnden Kinder, die immer wieder nach Kugelschreiber fragen. Am Nachmittag dann ein weiteres Highlight. Wir fahren eine steile Straße hinauf, die gerade neu gemacht wird. Es schaukelt und rüttelt, wenn unser Fahrer den Toyota Kleinbus über die steile Straße hinaufquält. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir im Bergdorf der Dorze an. Bekannt sind diese Bergdörfer für ihre eigenwilligen Häuser, die an Elefanten erinnern. Sie sind aus Bambus geflochten und mit Bananenblätter gedeckt. In dem Haus leben Bewohner mit ihren Kühen unter einem Dach. Sie sind auch bekannt für ihre Webereien. Sie spinnen die Baumwolle und weben dann bunte Stoffe. Einst war es ein kriegerisches Volk, heute spürt man schon den Einfluss des Tourismus und nicht alles wirkt so wirklich ganz echt. Nachdem wir aber heute schon gesehen haben, wie die Einheimischen Wohnen ist auch anzunehmen dass heute noch die Dorze so wohnen. Zur Besichtigung gehört auch das Schnapstrinken. Mit einigen Trinksprüchen in ihrer Sprache kippen wir dann drei Stamperl Hafer/Gerstenschnaps runter. Dann beginnt die Bergabfahrt über die Baustellen-Schotterstraße. Endlich erreichen wir am späten Nachmittag das Haile Resort in Arbaminch. Das ist ein Hotel, dass einem berühmten Marathonläufer gehört. Dieses Hotel entspricht wirklich dem 4-Sterne Standard. Wir machen uns frisch und treffen uns zum Abendessen auf der Terrasse mit Blick auf den Chamo- und Abajasee. Das Essen ist diesmal wirklich gut!


9. Tag - Montag 08.12.2025

Wieder ein wunderschöner Sonnenaufgang. Das Haile Resort bietet ein wunderbares Frühstück auf der Sonnenterrasse, mit Blick zum See. Wir starten Richtung See und unternehmen eine Schifffahrt mit einem kleinen Metallkahn. Der Wasserspiegel des Sees steigt ständig, wegen der Erosion der Erde. Durch die intensive Nutzung des Bodens und die damit einhergehende Abholzung kommt es in der Regenzeit zu Sturzfluten, die das Erdreich in den See spülen. Getnet erzählt uns, dass vor wenigen Jahren noch Wiesen waren, wo heute das Wasser meterhoch steht. Die Anlegestelle mit Kaffeehaus steht jetzt schon bis zum Dach unter Wasser. Wir fahren zu zwei Inseln hinaus und sehen zahlreiche Vögel, darunter auch einige große Seeadler. Bei der zweiten Insel sehen wir dann sogar einige große Krokodile. Wir fahren wieder zurück und verlassen den See, den wir aber noch einige Zeit sehen. Bei einem Markt machen wir halt. Hier wird alles verkauft, von Gummischuhen bis zu Rindern, Ziegen und Ochsen. Auch bergeweise Wäsche wird verkauft. Tausende Menschen tummeln sich und beäugen uns interessiert. Manche zupfen auch an unseren Haaren und berühren unsere Haut. Wir sind hier halt Exoten! Zum Schluss kommen wir noch beim „Bierzelt“ vorbei, wo sie ihr kaffeebraunes, selbstgebrautes Bier trinken. Weiter geht die Fahrt. Es kommen uns ständig irgendwelche Vieherden entgegen. Wir müssen ausweichen. Wohin gehen die alle. Getnet meint, die werden auf irgendwelche Weiden geführt. Doch Weiden sieht man nicht, denn an jedem Eck wird irgendetwas angebaut. Wir schaukeln so bis Mittag bis wir endlich Konso erreichen. In der Konso Lodge checken wir ein und essen zu Mittag. Um 14.00 Uhr fahren wir los das UNESCO Heritage Village Konso zu besuchen. Hier leben die Menschen noch wie vor 1000 Jahren. Sie haben Terrassen angelegt, damit in der Regenzeit das Wasser die Erde nicht wegschwemmt. Viele Kilometer Steinschlichtmauern, eine gewaltige Leistung. Hier bauen Sie Gemüse, Obst und Getreide an, was sehr mühsam ist, denn es gibt keine Bewässerung. In den Häusern gibt es kein Wasser, nur gelegentlich ein wenig Strom für Licht. Es gibt einen Weisen Rat, der die Geschicke des Dorfes lenkt. Der Ort ist kreisförmig angelegt. Im innersten Kreis lebt der König (nicht wirklich, denn der wohnt außerhalb), aber die Hierarchie ist so aufgebaut, dass der König im inneren Zirkel lebt. Jede Familie hat zirka einen Hektar Grund, den sie selbst bewirtschaften. Die Tiere wohnen auch im Wohnhaus mit den Menschen unter einem Dach. Die Dächer sind aus Stroh, die Häuser mit Altholz umzäunt. Kinder winken uns zu und lachen und sagen „Hallo“. Wir bleiben rund eine Stunde und fahren dann in unser Hotel zurück. Wir kommen an einem Markt vorbei, wo die Tiere geschlachtet werden, wo aus Autoreifen Schuhe hergestellt werden… Ein Zeitsprung in die Vergangenheit! Zum Abendessen sind wir im Hotel. Der Tag war lang und anstrengend!

10. Tag - Dienstag 09.12.2025

Wir haben heute ein lange Strecke zu fahren. Unser Ziel ist Turmi. Die kalkulierte Fahrzeit ist 4 Stunden, aber es soll länger werden. Die Straße ist extrem schlecht. Immer wieder begegnen wir Rinder- und Ziegenherden, die mitten auf der Straße stehen und nur ungern den Autos ausweichen. Eine der Rinderherden hat wohl an die 1000 Rinder an denen wir verbei müssen. Die Schotterstraße hat große Schlaglöcher. Wenn man durch die Dörfer fährt, zieht ein Panoptikum an einem vorbei. Alles spielt sich am Straßenrand und auf der Straße ab. Vorerst geht es an zahlreichen Hügeln mit Terrassenfelder vorbei, dann wird die Landschaft unbewohnter. In den Ortschaften immer das gleiche Bild; freundliche Menschen, Plastikstühle, vergilbte Werbeschilder und dazwischen Ziegen und kleine Geschäfte. Wir machen an einer Schule halt, denen Getnet versprochen hat, dass er einen Fußball bei der nächsten Reise bringt. Diesen hat Getnet in Addis Abeba gekauft. Als wir an der Schule ankommen werden wir von Kindern umringt. Wir überreichen der Direktion eine große Menge an Hefte und Kugelschreiber. Dann zeigt uns der Direktor ein Klassenzimmer einer Mittelschulklasse. Im Anschluss singen uns die Schüler ihre Nationalhymne. Auch wir singen unsere österreichische Hymne, die wir vorher schon einstudiert haben. Dann geht es zu einem Fußballspiel; Österreich gegen Äthiopien, dass Äthiopien klar 2:0 gewinnt, schon alleine wegen dem Altersunterschied. Dennoch hat sich unsere Truppe wacker geschlagen. Wir fahren weiter und werden durch eine Straßensperre der „besonderen Art“ aufgehalten. Die berühmten Stelzengeher, die auf zirka drei Meter hohen Stelzen gehen halten uns auf. Wir müssen einen Wegzoll zahlen und dürfen dann dafür auch fotografieren. Getnet verhandelt mit den Stelzengehern und so kommen wir zu unseren Fotos und die jungen Burschen bessern sich ihr Taschengeld auf. Weiter geht die Fahrt zu den Mursi. Die Frauen tragen in der Unterlippe große Teller, bekannt auch als Tellerlippenfrauen. Die Männer hingegen, ritzen sich Wunden in den Körper, die davon zeugen, dass Sie tapfere Krieger sind. Wir bleiben eine Weile und kaufen auch einige Souvenirs. Dann geht es weiter über die Staubige Piste. Wir machen eine kleine Bierpause in einem einfachen Hotel, dann rumpeln wir weiter zu einem einheimischen Markt. Auch bei diesem Markt herrscht hektisches Treiben. Besonders sind die Frauen mit ihren burschikosen Flechtfrisuren. Wir fallen natürlich wieder auf und werden wider gezupft und betatscht. Weiter geht die wilde Jagd. Um zirka 16.00 Uhr erreichen wir die Paradies Lodge. Nach dem check-in gibt es eine Kleinigkeit zum Essen. Die Temperaturen sind hier schon ordentlich hoch, denn wir sind am südlichsten Punkt unserer Reise angelangt. Afrika pur! Zum Abendessen sind wir im Hotel.

Verfasser

Harald Schobesberger




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