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Moskau St.Petersburg 2012



Reisebericht Moskau- St.Petersburg

13.10. bis 18.10.12

1980: – eine kleine Gruppe Reisebüroassistenten unternehmen auf Einladung von Meridian eine Einladungstour nach Moskau St.Petersburg. Russland ist zu dieser Zeit noch fest in der Hand des Kommunismus, der Eiserne Vorhang hat noch keine Löcher. In Moskau sind noch wenige Autos unterwegs und jene die unterwegs sind, qualmen und kommen aus einer Zeit, in der diese gerade mal erfunden wurden. Ochsenkarren fahren durch die Stadt. Strenge Parteigenossen begleiten die Reisebüroagenten auf Schritt und Tritt und verteidigen und schützen Ihre Staatsform und den Kommunismus vor kapitalistische Eindringlinge. Das Essen ist kalt, dafür das Bier warm. Der Service ist so kalt wie das russische Klima im Winter.

2012 - 32 Jahre später: Es ist an der Zeit das „neue Russland“ kennen zu lernen. Moskau ist jetzt die größte Metropole Europas, eine pulsierende faszinierende Stadt der Gegensätze und Kontraste. Der russische Kommunismus ist Geschichte. Einige Kirchen und Kathedralen, wie z.B. die Christ Erlöser Kathedrale, die unter Lenin bzw. Stalin zerstört wurden, wurden wieder aufgebaut, schöner denn je. Das Warenhaus Gum ist ein Shopping Tempel der Superlative. Waren früher nur Konservendosen und Einheitsschuhe zu kaufen, so gibt es heute von Feinkost bis Markenschuhe und Luxuskleider alles zu kaufen, was das russische Herz höher schlagen lässt (Für uns sind diese Artikel zu teuer). Kurzum, es hat sich alles geändert – wirklich alles?

Reisebericht

1. Tag:

Ich fahre mit einem Kleinbus nach Wien. Aus der Gruppe fahren 8 Personen mit mir mit, die anderen fahren mit dem eigenen PKW nach Wien. Abflug um 10.00 Uhr mit Austrian Airlines nach Moskau Domodedovo, der modernste Flughafen in Moskau. Der Flug ist pünktlich, es gibt sogar einen kleinen Snack und Getränke. Es tut gut, mit unserer heimischen Fluggesellschaft unterwegs zu sein. Die Einreise erfolgt relativ unbürokratisch, jedoch ein Teilnehmer unserer Gruppe wird genauer kontrolliert und daher müssen wir warten. Unsere Reiseleiterin wartet bereits auf uns. Mit dem Bus geht es ins Zentrum. Irgendwie scheint sich vorerst nichts geändert zu haben, nur der Verkehr ist enorm. Wir kommen nur im Schritttempo voran. Endlich in unserem Hotel Koroston angekommen, beziehen wir die Zimmer und anschließend gibt es Abendessen. Nach dem Abendessen unternehmen wir eine Fahrt mit der U-Bahn. Zu Fuß marschieren wir zur U-Bahnstation und fahren dann hinein ins Zentrum. Wir fahren mit der ganzen Gruppe entlang des Ringes, steigen immer wieder aus. Unsere Reiseleiterin erklärt uns die Zusammenhänge. Wir werden von Lehner Harry begleitet, der hier in Moskau arbeitet und den Abend mit uns verbringen wird. Am Ende der Tour gelangen wir wieder zur Einstiegsstation. Harry hat für uns noch einen Tisch in einem netten Bierlokal reserviert. Anschließend geht es zurück ins Hotel und hier entdecken wir einen der großen Nachtklubs, direkt in unserem Hotel – es wird spät!

2. Tag:

Heute werden wir um 09.00 Uhr abgeholt. Zuerst fahren wir auf den „Sperlingsberg“, der eigentlich nur ein kleiner Hügel ist und von dem man eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt hat. Auch eine kleine Sprungschanze ist hier, noch übrig von der Olympiade. Die imposante Lomonossov Universität im Zuckerbäckerstil ist ebenfalls auf diesem Hügel. Dann geht es weiter zum Neujungfrauenkloster und zur Neuen Christ Erlöser Kathedrale, dem zentralen Gotteshaus der russischen Orthodoxie. Die Hauptattraktion aber ist der Rote Platz und der Kreml. Das Leninmuseum und gegenüber das Kaufhaus Gum und die Basilius Kathedrale flankieren diesen geschichtsträchtigen Platz. Im Kreml wird die Geschichte wieder lebendig, die Geschichte der Zaren, aber auch neuzeitliche Vergangenheit erwachen. Die Zarenglocke und die Zarenkanone sind beide Ausdruck von sinnloser Gigantomanie. Die eine hat nie geläutet, die andere nie geschossen. Ein weiteres Highlight sind die Kathedralen des Kremls, die durch nichts an Prunkt zu übertreffen sind. Wir bummeln durch das Kaufhaus Gum und dann geht es zurück ins Hotel. Einige unternehmen die Rundfahrt „Moskau bei Nacht“, Mein Vater, Kurt, Franz und ich lassen uns in ein Restaurant im Zentrum bringen. Leider findet der Taxifahrer dieses nicht gleich und so fahren wir einige Mal im Kreis. Das ausgesuchte Restaurant schaut nicht nett aus und so suchen wir das Gegenüberliegende auf und essen dort eine Kleinigkeit, bevor es wieder zurück ins Hotel geht. Einige nützen noch die Unterhaltungsmöglichkeiten im Hotel.

3. Tag:

Kurt, Franz mein Vater und ich marschieren einmal um das Hotel herum um die Gegend zu erkunden. Dann fahren wir mit dem Bus zum Bahnhof. Es liegen 4 Bahnhöfe ziemlich beisammen, wir fahren vom Leningrader Bahnhof ab. Der Schnellzug „Sapsan“ ist durchaus mit dem ICE vergleichbar. Großraumwagone, ein Speiserestaurant, komfortable Sessel und über 200 KMH-Reisegeschwindigkeit. Wir machen es uns im Speisewagon gemütlich und trinken zwei drei Biere. So vergeht die Zeit viel schneller. Es gibt während der gesamten Fahrt nicht wirklich landschaftlichen Schönheiten zu sehen. Alles ist flach, die Häuser sind armselige kleine Hütten. Erst als wir nach St.Petersburg einfahren wirken die Häuser schöner und alles ist wieder zivilisierter. Es nieselt ein wenig als wir ankommen. Die Fahrtdauer ca. 4,5 Stunden. Unsere Reiseleiterin holt uns direkt am Gleis ab und es geht in unser Hotel Pripaltiskaya am Finnischen Meerbusen. Das Abendessen wurde für uns vorbereitet. Es gibt ein Buffet und irgendwie kommt mir das vor wie während meiner Berufsschulzeit im Heim. Jeder ist hungrig und auch ein wenig müde. Dennoch ist jeder zufrieden, der Hunger ist gestillt. Noch ein Bier an der Bar. Nette Gespräche über das Erlebte beschließen den Tag.

4. Tag:

Heute geht es um 10.00 Uhr los zur Stadtrundfahrt. Peter der Große war der Gründer der Stadt. Er hatte Vorbild genommen an Venedig und Amsterdam. Wir fahren entlang des Nevsky Prospekt, der Hauptstraße der Stadt, sehen die Kazaner Kathedrale, das Alexander Nevsky Kloster, die Auferstehungskathedrale, den Palastplatz mit Alexandersäule und Winterpalast. Natürlich sehen wir die Ermitage von außen, die wir ja morgen besichtigen werden. Zum Mittagessen kehren wir ins Restaurant Baku ein und speisen aserbaidschanisch. Das Essen ist gut, aber alles dauert sehr lange, von der Bierbestellung bis zur Bezahlung, da müssen Sie noch lernen! Den Nachmittag verbringen wir auf eigene Faust und besuchen das beste Feinkostgeschäft Russlands. St.Petersburg war auch in den 80iger Jahren bereits sehr schön, aber im Laufe der Jahre wurden alle Häuser restauriert und die Stadt erstrahlt im vollen Glanz. Am Abend speisen wir im „Pushkin-Restaurant“. In diesem Restaurant soll der Dichter und Poet immer gesessen sein. Auch heute sitzt er noch da, in Form einer Puppe. In einer kleinen Gruppe speisen wir im 1. Stock des Restaurants. Burgi und Marie spielen am Klavier und unterhalten das ganze Restaurant. Das Essen ist ok, aber sicher nicht den Preis wert. Dennoch war es sehr gemütlich, wir hatten viel Spaß. Mit dem Linienbus Nr. 7 fahren wir zurück ins Hotel, jeder ist schon gut drauf. An der Hotelbar beschließen wir das Tagesprogramm.

5. Tag:

Wieder starten wir um 10.00 Uhr. Heute sehen wir die Ermitage. Es würde Jahre dauern, wenn man alle Ausstellungsgenstände anschauen würde. Unsere Reiseleiterin sucht für uns die Gusto Stücke raus. Rubens, Rembrandt sind nur ein Auszug aus der weltweit größten Kunstsammlung. Wertvolle Ikonen, Skulpturen und archäologische Fundstücke machen dieses Museum zu einem der bedeutendsten der Welt. Immer wieder gibt es auch einen schönen Blick aus dem Fenster zur Neva, dem Fluss der durch St.Petersburg fließt. Nach der Führung besuchen wir das Café Singer, das in einem berühmten Jugendstilbauwerk untergebracht ist und anschließend kehren wir noch in ein Pub ein. Zurück geht es dann mit dem Taxi. Gleich neben unserem Hotel gibt es ein nettes Restaurant, dort essen wir zu Abend und treffen noch andere aus unserer Gruppe. Für einige wird es noch eine längere Nacht an der Hotelbar.

6. Tag:

Abfahrt um 09.30 Uhr nach Pushkin. Wir besichtigen den Katharinenpalast der mit seiner blau-weißen Fassade und goldenen Ornamenten erstrahlt. Er beherbergt zahlreiche restaurierte Räumlichkeiten, mit viel Gold und Verzierungen. Das berühmteste Zimmer ist wohl das Bernsteinzimmer. Dieses wurde während des zweiten Weltkrieges geplündert und jetzt wieder restauriert bzw. wieder hergestellt. Unbeschreibliche Reichtümer werden hier aufbewahrt. Man hat den Eindruck, Russland will mit diesem Palast seine Stärke und Größe demonstrieren und der Welt zeigen – schaut her; „das ist Russland, reich und protzig‘“. Vergleichbar ist nur noch der Louvre in Paris. Hier bräuchte man wahrscheinlich auch einige Wochen um alles zu besichtigen. Die St. Petersburger Bevölkerung hat auch mit Spenden mitgeholfen, dass dieser Palast wieder in neuem Glanz erstrahlen kann.

Nach der Führung sehen wir noch die Parkanlagen und hören einem russischen Männerchor zu, der in einem Parkgebäude sein bestes gibt. Fahrt zum Flughafen. Abflug um 15.50 Uhr, wieder mit Austrian Airlines nach Wien. Der Flug ist ruhig und pünktlich. Von Wien geht es dann zurück mit dem Kleinbus. Am Flughafenparkplatz C kann man nur mit einem Fahrzeug ausfahren das nicht höher ist als 2,5 Meter. Da mein Kleinbus höher ist, hab ich Probleme einen Weg aus dem Parkplatz zu finden. Im Tumult wird dann auch noch mein Koffer in Wien vergessen, der auch nicht mehr auftauchen wird.

Es hat sich viel verändert, aber es ist immer noch die Zurückhaltung merkbar, mit denen die Russen einem begegnen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass der Fall des Eisernen Vorhanges noch nicht so lange aus ist und dass es wahrscheinlich noch eine Generation dauern wird, bis die Vorbehalte gänzlich verschwunden sind. Eine Reise wert sind die Städte Moskau und St.Petersburg auf jeden Fall.

©Harald Schobesberger



Verfasser

Harald Schobesberger



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